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Smart City, indisch gefärbt

Simulationsmodell einer Smart City auf den Stand der Hannover Messe

Das Modell aus Glasklötzen visualisiert die Aktivitäten in den Stadtteilen im Tagesverlauf.


Die indische Delegation veranstaltete auf der Hannover Messe ein Seminar zu Smart City. Nachdem ich die Interpretation dieses Begriffs in verschiedenen europäischen Städten untersucht habe, war ich gespannt auf die indische Interpretation.

In Indien zeigt die Regierung einen hohen Umsetzungswillen zu Smart-City-Konzepten. Ihr bleibt auch gar nicht anderes übrig: Der Urbanisierungsprozess hat in Indien gerade Fahrt aufgenommen und wird in seiner Dimension sogar China hinter sich lassen.

Was ist jetzt für Indien wichtig? Mr. Amitabh Kant vom indischen Industrieministerium (DIPP) nannte diese 3 Punkte:

  1. Öffentlicher Verkehr. Das Wachstum der Städte muss mit dem Ausbau des Streckennetzes koordiniert werden.
  2. Wasser. Um den wachsenden Wasserbedarf zu befriedigen soll Abwasser wieder auf Trinkwasserqualität aufbereitet werden.
  3. Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT). Als wichtigste Anwendungen dafür Gesundheit und Bildung.

Anderes als in der Vision von Huawei wird ICT erst an dritter Stelle genannt, und Mr. Kant bekräftigte das es gerade nicht an erster Stelle steht (wobei der Einwand kam, das auch die Punkte 1 und 2 ICT benötigen). Bei den Anwendungen wurde, anders als beim Smart-City-Konzept von Huawei, Sicherheit und Überwachung überhaupt nicht thematisiert. Dagegen wurde auch Media & Entertainment als Bereich genannt, was mir so explizit noch in keinen anderen Smart-City Konzept begegnet ist.

Weitere Schwerpunkte in der Diskussion waren die Kosteneffektivität, die Nachhaltigkeit (Sustainability) und die in der Stadt erzielte Wertschöpfung und damit verbunden das Angebot von Arbeitsplätzen.

Das amerikanische Stadtmodell entstand in einer Zeit der billigen Ressourcen und sei als Vorbild „tot“, man versucht im wesentlichen von Erfahrungen von anderen asiatischen Städten zu lernen. Als westliches Vorbild wurde Barcelona hervorgehoben.

Indien steht vor gewaltigen Infrastrukturinvestitionen. Großes Problem ist dabei der nötige Spagat zwischen Zeitdruck und einer sorgfältigen Planung, denn nur durch eine Vernetzung schon in der Planungsphase können die viel beschworenen Synergien verwirklicht werden. Beispielsweise wenn man nur einen gemeinsamen Tunnel für Verkehrswege und große Versorgungsleitungen baut, anstatt für Wasser, Abwasser, Strom, Gas, Internet  die Erde jeweils gesondert umwühlt. So erhofft man sich durch Smart-City-Konzepte langfristig eine Kostenreduktion.

Autor: Karsten Meier

Weil ich gerne Probleme löse bin ich Informatiker geworden. Für meine Kunden berate und konzeptioniere ich und entwickle mit fast allem, was einen Prozessor hat. Sie finden mich auch auf Twitter

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