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Smart City – ein Begriff, viele Bedeutungen

Der Begriff Smart City wird in letzter Zeit inflationär gebraucht. Jede Stadt, die was auf sich hält, möchte gerne eine Smart City sein. Mit dem Begriff selbst können die meisten Bürger jedoch noch keine klare Vorstellung verbinden. Sicher gibt es Definitionen des Begriffs. Entscheidend gerade bei neuen Begriffen ist, wie sie verwendet werden.

Wo gibt es tatsächlich etwas neues, wo wird nur versucht, eigentlich einfache Apps oder andere Dienstleistungen zu verkaufen? Bei welchen Themen passiert tatsächlich etwas? Um mehr Klarheit zu schaffen habe ich Dokumente von verschiedenen Akteuren analysiert.

EU Ebene

Die EU hat unter dem Begriff “digitale Agenda” eine Stakeholder-Plattform ins Leben gerufen: eu-smartcities.eu

Smart City Infografik

Eine von der EU veröffentlichte Infografik zeigt Problemstellungen, Akteure und Aufgabenfelder der Smart-City-Innovation-Partnerschaft.

Auf dieser Plattform gab es zunächst drei thematische Arbeitsgruppen:

  • Energieeffizienz und Gebäude
  • Energieverteilungs-Netzwerke
  • Mobilität und Transport

Weiterhin gab es noch Querschnitt-Themengruppen, die sich mit IT oder Finanzierung beschäftigen. Das war es dann aber schon mit den Themen. Inzwischen gibt es über diese doch sehr funktionalen Themenfelder hinaus bei den sogenannten “Action Clustern” auch ein Thema “Citizen Focus”.

Berlin

In Berlin hat der Senat eine Arbeitsgruppe Smart City Berlin (SCB) gegründet. In einem Eckpunktepapier definiert diese AG den Begriff Smart City mit “Städte und Regionen, die sich die Aufgabe gesetzt haben, Zukunftsprobleme der Stadt zu identifizieren und dann zu lösen“. Das Identifizieren der Probleme ist also ein gesonderter Schritt. Verschiedene Städte haben verschiedene Ziele.

Die selbst gegebene Aufgabe soll durch Zusammenwirken verschiedener Akteure angegangen werden (Politik, Verwaltung, Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft)

Die Smart City AG reklamiert einen ganzheitlichen Ansatz, der die Schaffung einer höheren Lebensqualität sowie Stärkung der Innovationskraft (also Meta-Innovation) zum Ziel hat.

Als etwas konkretere Themenfelder nennt das Eckpunktepapier wieder Umwelt, Energie und Mobilität, zusätzlich Gesundheit, Sicherheit und demografischer Wandel.

Hamburg

Containerschiff und Containerbrücken zum entladen der Container

Containerverladung im Hafen. Schon seit einigen Jahren gibt es zum Transport der Container autonome Vehikel. Zukünftig soll der Zubringerverkehr noch weiter vernetzt werden.

Smart City wird in Hamburg offenbar von der Behörde “Wirtschaft, Verkehr und Innovation” besetzt. Auf der Hamburg-Webseite wird Smart City definiert als „kluge und vernetzte Stadt“.

Ziele sind

  • Lebensqualität verbessern,
  • effiziente Mobilität,
  • Umwelt (Ressourcen schonen, weniger Umweltschädlichkeit)
  • Nutzen von “innovativer Infrastruktur”

Als Arbeitsfelder kann ich erkennen:

  • der Hafen (Smart Port). Hier werden wohl Sensornetzwerke eingesetzt werden.
  • Straßenbeleuchtung und Ampeln
  • Erfassung und Steuern von Verkehrsströmen
  • Bürgerkiosk (Eine Art Container mit Videoverbindung in andere Behörden)

Obwohl Lebensqualität bei den Zielen an erster Stelle genannt wurde, scheint das Thema in Hamburg vor allem von der Wirtschaft (genauer: einzelnen Wirtschaftsakteuren) getrieben. Besonders wird die Partnerschaft mit dem amerikanischen Netzwerkausrüster Cisco hervorgehoben.

Erstaunlicherweise nicht Thema ist alles, was für die internationale Bauausstellung (IBA) von 2006-2013 passiert ist. Immerhin sah sich die IBA auch als Stadtlabor: „Mitten in Hamburg suchte die IBA Antworten auf die dringendsten Fragen der modernen Stadt, um Projekte für die Zukunft der Metropolen zu zeigen.

Paris / San Francisco

Centre Pompidou in Paris

Centre Pompidou: ein mutiges Architekturkonzept. Der Platz davor dient trotzdem oder gerade deswegen als Treffpunkt.

Hier habe ich eine schöne Zusammenfassung von Marie-Perrine Durot von der „PRIME transatlantic innovation platform” gefunden. (Interview veröffentlicht in „Atelier“, Herausgeber: BNP-PARIBAS).

Frau Durot entwirft folgendes Programm unter dem Begriff Smart City:

  1.  Zunächst mal geht es darum, Sektoren, die bisher nichts miteinander zu tun hatten, in einen Dialog zu treten und gemeinsam zu arbeiten.
  2. die Art wie Entscheidungsträger, Experten und Bürger für Projekte in der Stadt interagieren, sollen Ihren Worten nach “de-compartmentalize“ werden (aus Behördenzwängen befreien).
  3. Städte solle voneinander lernen. Die geografische Isolation soll aufgebrochen werden.

Teil 2

Der zweite Teil dieser Analyse behandelt die Nutzung des Begriffs Smart City in der IT-Szene.

Autor: Karsten Meier

Weil ich gerne Probleme löse bin ich Informatiker geworden. Für meine Kunden berate und konzeptioniere ich und entwickle mit fast allem, was einen Prozessor hat. Sie finden mich auch auf Twitter

2 Kommentare

  1. Hallo Karsten,
    eine sehr schöne Einführung in den Entstehungs- und Verwendungszusammenhang des facettenreichen Begriffs ‘smart city’…und die entzückende Geschichte von Huawei und den 3 Musketieren, nein, natürlich Bürgermeistern aus dem Hessischen ist ein geradezu amüsanter empirischer Beleg für die Blütenträume und Hoffnungen, die in dessen Kontext reifen… Bitte heiter weiter so!
    Mit besten Grüßen
    gerd

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