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Android für den Unternehmenseinsatz

Zwei Vorträge auf der Droidcon

Unternehmen mit mobilen Mitarbeitern können ihre Geschäftsprozesse mit mobilen Geräten optimieren. Auf der Konferenz droidcon 2014 in Berlin konnte ich dazu einen Praxisbericht und einem Herstellervortrag lauschen.

Android-Geräte wurden von Google als persönliche Geräte konzipiert, das vielfältige Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten bietet. Für die Unterstützung von mobile Arbeiter gelten jedoch oft ganz andere Anforderungen:

Die Anwendungsfelder sind begrenzt, müssen dafür aber mit sehr hoher Zuverlässigkeit zur Verfügung stehen. Das Risiko, das Nutzer mit selbst installierten Apps die Zuverlässigkeit verringern, möchte man nicht eingehen. Vom Risiko des Abfließens von Unternehmensdaten ganz zu schweigen.

Werden mit dem Gerät Arbeitsprozesse dokumentiert, kann es schon ein Problem sein, dass ein Nutzer einfach das Datum und die Uhrzeit des Gerätes umstellen kann.

Im wesentlichen gibt es zwei Lösungsmöglichkeiten:

Wenn nur eine App benötigt ist, kann man diese automatisch starten lassen und quasi im Kiosk-Mode betreiben. Man muss dann z. B. auch den Home-Button unterdrücken.

Für etwas höhere Anforderungen gibt es sogenannte “Mobile Device Management” Lösungen (MDM) von verschiedenen Firmen. Hier wird die Installation der Apps und Einstellungen zentral an einer Admin-Konsole durchgeführt.

Heizungsableser mit Android-Smartphones

Dennis Hoppe von Brunata-Metrona stellte ein Projekt vor, bei dem die Mitarbeiter vor Ort Zählerstände ablesen und mit einem Smartphone in die zentrale IT übermitteln.

Man hat auf Standard-Geräte gesetzt, nicht auf spezielle für Unternehmenseinsatz konzipierte Geräte. Grund ist, das sie deutlich weniger kosten. Den häufigeren Geräteausfall von Kosumergeräten nimmt man dabei bewusst in Kauf. Die IT-Abteilung unterstützt mehrere Referenzgeräte, die sich im Lauf der Zeit natürlich häufiger ändern.

Nachdem man anfänglich aus 7-Zoll Tablets gesetzt hat, kam man zu dem Schluss, das 5-Zoll Bildschirme für den konkreten Anwendungsfall ausreichend groß sind.

Ein überraschendes Problem tauchte mit der eingebauten SQLite-Datenbank von Android auf: Wenn zur Laufzeit die Datenbank Inkonsistenzen findet, also korrupt wird, dann wird die Datenbank standardmäßig stillschweigend gelöscht. Inzwischen erfasste Daten sind weg, und man erfährt es noch nicht mal.

Man kann das Problem offenbar mit speziellen Handlern lösen. Im Projekt wurde statt dessen eine Berkeley DB eingesetzt.

Für Industrieeinsatz optimierte Geräte

Pietro Maggi von Motorola Solutions zeigte Kriterien, an denen sich Geräten für Industrieeinsatz von den normalen Konsumergeräten aus dem Handyshop um die Ecke unterscheiden.

Outdoor-Eigenschaften

In der täglichen Arbeit wird so ein Gerät schon mal fallengelassen, besonders wenn die Mitarbeiter zusätzlich mit Werkzeug oder Arbeitsmaterialien hantieren. Beispielsweise auf Baustellen sollte das Gerät auch staubdicht und regenfest sein. Es sollte auch bei Minusgraden funktionieren und auch mit Arbeitshandschuhen wenigstens halbwegs bedienbar sein.

Produkt-Lebenszyklen

Ein Gerät wird oft erst einmal in einem Pilotprojekt getestet. Wenn es dann zum unternehmensweiten Roll-Out kommen soll, dann sollte das Gerät nicht schon wieder vom Markt verschwunden sein. Auch Reparaturen und Nachbestellungen sollten noch Jahre nach dem Beginn des Einsatzes möglich sein. Idealerweise gibt der Hersteller für die Verfügbarkeit Garantien.

Kehrseite der langen Produktzyklen ist, das die Einführung neuer Technologien in diesen Geräten langsamer geschieht.

Betriebssystem-Erweiterungen

Die Akkus eines Gerätes sollen natürlich mindestens einen ganzen Arbeitstag durchhalten. Nun altern Akkus jedoch. Die Akkus sollten schon ausgetauscht werden, bevor ein Mitarbeiter vor Ort wegen fehlender Energie seine Arbeit nicht abschließen kann. Wünschenswert ist deshalb, die Güte der Akkus per Software auslesen zu können. Hierzu haben Gerätehersteller wie Motorola Erweiterungen für den Android-BatteryManager definiert. Leider sind diese Erweiterungen im Allgemeinen nicht untereinander kompatibel.

Autor: Karsten Meier

Weil ich gerne Probleme löse bin ich Informatiker geworden. Für meine Kunden berate und konzeptioniere ich und entwickle mit fast allem, was einen Prozessor hat. Sie finden mich auch auf Twitter

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